In Prora auf Rügen erbauten die Nazis in den dreißiger Jahren die erste Ferienstadt – auf der Tabula Rasa einer unbewohnten Gegend. Aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich das Modell durch; an der französischen und spanischen Mittelmeerküste. In der Kritik der 1970er Jahre als „Nicht-Orte“ verteufelt, haben die Ferienstädte heute einen äußert spezifischen Charakter: Sie sind selbst historisch geworden. Sie bilden so etwas wie die vergangene Utopie eines Tourismus für alle Schichten. Heute gibt sich der Tourismus in solchen Städten entsprechend post-modern: Das Monumentale und das Massenhafte dieser Orte ist für die Besucher zum Bestandteil eines selbstreferenziellen Genusses geworden. Als Modell hat die Freizeitstadt mit ihrer immensen urbanen Dichte wohl ausgedient. Die jüngeren touristischen Anlagen bauen nicht mehr auf Modernität, sondern auf die spektakuläre Zurschaustellung von Differenz. Seit den 1990er Jahren hat zudem die Errichtung von suburbanen Feriensiedlungen massiv an Bedeutung gewonnen. Dafür wird in den Touristengebieten erneut Tabula Rasa gemacht.
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